Sexistinnen-Pranger

Behörden und Organisationen


Kinderhilfswerk "Plan".

Unter der Überschrift "Geschichte" lesen wir zur Entstehung der Organisation Plan:

Im Spanischen Bürgerkrieg fängt alles an. Der britische Journalist John Langdon-Davies ist vor Ort und berichtet für den Londoner "News Chronicle" - vom Krieg und von der Not der Kinder. "Ich traf auf ein kleines, etwa fünfjähriges Kind mit einem Zettel, auf dem stand: Dies ist José. Ich bin sein Vater. Wenn Santander fällt, wird man mich erschießen. Wer immer meinen Sohn findet, den bitte ich, um meinetwillen für ihn zu sorgen."

Hier ist also die Rede von einem Vater, der, in Erwartung seines gewaltsamen Todes, eine Vorkehrung getroffen hat, daß ein Anderer sich seines geliebten Sohnes fürsorglich annehme.

Im Zeitalter des Feminismus wird - anscheinend durch die deutsche Sektion - ein neuer Akzent gesetzt. Für das Jahr 2003 lesen wir nämlich:

Das deutsche Plan-Büro startet zudem seine Mädchenkampagne, um auf die Benachteiligungen von Mädchen weltweit aufmerksam zu machen. Plan Deutschland setzt sich besonders für die Chancengleichheit und somit die Förderung von Mädchen ein.

Daß dies kein Ausrutscher war, zeigt einer der nächsten Absätze:

2006 startet Plan Deutschland im Rahmen der Mädchenkampagne unter der Schirmherrschaft von Senta Berger in Hannover mit großem Erfolg die Erlebnisausstellung Weil wir Mädchen sind ... und macht so Mädchenwelten in Afrika, Asien und Lateinamerika erlebbar.

Wer bisher also glaubte, daß ein Kinderhilfswerk, das sich nicht Mädchen-Hilfswerk nennt, Kinder geschlechts-neutral vertritt, sieht sich hier eines Schlechteren belehrt. Die deutsche Geschäftsführerin, Frau Marianne M. Raven, wird unter der Überschrift "Stärkung der Mädchen wichtig für die Aids-Bekämpfung" mit folgenden Worten zitiert:

"Soziale und kulturelle Normen, aber auch Gewalt hindern Mädchen in vielen Ländern daran, selbst über ihr Sexualleben zu bestimmen und sich vor einer HIV-Ansteckung zu schützen. Oft haben sie nicht die Macht, das Verhalten ihrer Partner zu beeinflussen und die Verwendung von Kondomen einzufordern. Fehlende Bildung und Berufstätigkeit macht sie verletzbarer und begünstigt die Ausbreitung des HI-Virus. Zudem sind es vor allem Mädchen, die aus der Schule genommen werden und sich um die Pflege der aidskranken Eltern und die Versorgung der Geschwister kümmern müssen."

Der zitierte Absatz enthält Merkwürdigkeiten in jedem Satz.

o Frau Raven meint mit "Mädchen" gar nicht Kinder, sondern erwachsene, zumindest geschlechtsreife Frauen.

o Sachlich falsch ist selbstverständlich, daß diese jungen Frauen nicht die Macht hätten, das Verhalten ihrer Partner zu beeinflussen. Jeder realitätsnahe Mensch weiß, daß Frauen es sind, welche die Partnerwahl treffen, und daß junge Männer alles tun, um ihnen zu gefallen - Geldgeschenke inklusive.

o Falsch ist vor Allem auch die indirekte Behauptung, daß Frauen eher Kondome wollten als Männer. Ich weiß aufgrund meines mehrjährigen Aufenthaltes in Afrika, daß dies nicht stimmt. Und nachdem das Unterhaltsrecht "fortschrittlicher" Länder auch dort sich ausbreitet und Kinder auf viele Jahre als Machtmittel, ja "Lebens"mittel durch ihre Mütter mißbraucht werden dürfen, sehen Frauen jetzt umso mehr Grund, auf Kondome möglichst zu verzichten.

o Daß fehlende Bildung die Ausbreitung des HI-Virus begünstige, ist an sich zwar richtig; aber warum müssen diesbezüglich ausgerechnet die Mädchen gebildet werden? Zielführender wäre es, die Informationen an Diejenigen zu vermitteln, deren Schulbesuch ohnehin selbstverständlich ist und nicht erst gefördert werden muß - also an die Jungen.

o Nicht einverstanden ist Frau Raven offenbar auch mit der Tatsache, daß es vorwiegend Mädchen sind, die sich um die Pflege ihrer Eltern und um die Versorgung ihrer Geschwister kümmern. Glaubt sie etwa, daß es sich nicht um eine geschlechtsspezifische Begabung, sondern vielmehr um eine aufgezwungene Rolle handle?

Raven wird weiterhin wie folgt zitiert:

"Nur wenn sie [die "Mädchen"!] keiner Gewalt ausgesetzt sind und ihre Sexualität selbst bestimmen, können sie sich, ihre zukünftigen Partner und Kinder wirksam vor HIV/AIDS schützen."

Abgesehen davon, daß Frauen ihre Sexualität viel autonomer bestimmen als Männer es tun - anderenfalls wäre das Prostitutions-Gewerbe gar nicht möglich -, wird aus der männlichen Führung, deren Frauen natürlicherweise bedürfen, ein "Gewalt"-Tatbestand konstruiert, wobei Gewalt in einem kriminellen Sinne (nicht etwa z.B. in seinem staatsrechtlichen Verständnis) aufgefaßt wird. Dieser ideologische Hintergrund liegt offensichtlich auch dem Projekt "Nein zu Gewalt an Mädchen und Frauen" zugrunde. Dort heißt es:

Der Bürgerkrieg hat in El Salvador tiefe Spuren hinterlassen. Arbeitslosigkeit, Drogen und Gewalt gehören für viele Menschen zum Alltag. Vor allem Frauen und Kinder werden beleidigt, geschlagen oder gar vergewaltigt.

Inbezug auf die geschlechtliche Zuordnung ist das ein offensichtlicher Unsinn. Männer sterben auch in El Salvador früher als Frauen, und zwar - gerade sie - aufgrund von Gewalt. Kinder zu schützen, ist natürlich ehrenwert; aber wenn ständig "Frauen und Kinder" in einem Atemzug genannt werden, so bedeutet dieses weibliche Trittbrettfahrertum gerade für Kinder eine zynische Herabwürdigung. Plan sollte sich auf seine eingangs erwähnte Geschichte besinnen, das heißt auf José und seinen Vater. Plan ist seiner ursprünglichen Zielsetzung nach ein Kinderhilfswerk, kein Frauenhilfswerk.

Die sexuelle Einseitigkeit, mit der die deutsche Sektion des Kinderhilfswerks "Plan" Frauen als Opfer sieht, ja Frauen - hilfsweise "Mädchen", mit denen aber oft auch nur Frauen gemeint sind - geradezu ein Opfer-Monopol zuweist, hat einen unübersehbar sexistischen Charakter. Daß auch Jungen und ihre Väter, und gerade sie, der Gewalt ausgesetzt sind und dies meist viel früher als Frauen mit dem Leben bezahlen, wird in einem Ausmaße "übersehen", das nur noch als anstoßerregend und empörend bezeichnet werden kann.

Fazit:

Es kann nur dringend angeraten werden, zumindest die deutsche Sektion von "Plan" nicht auch noch finanziell zu unterstützen.

Ich werfe dem Kinderhilfswerk "Plan" vor:

  • Instrumentalisierung eines Kinderhilfswerkes für lobbyistische Belange (hier: Frauenförderung).
  • Sexistische Diskriminierung von Jungen.
  • Sexistische Verharmlosung der Gewalt an Männern.

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