Sexistinnen-Pranger

Sexistinnen-Pranger


Moderata Fonte (1555-1592) Artikel eingestellt: 26-4-2010, Überarbeitet: 28-5-2010.


Moderata Fonte

Moderata Fonte, Venezianerin, ist die erste mir bekannte (Differenz-)Feministin. Ihr Buch, das in der deutschen Übersetzung durch Daniela Hacke (Verlag C.H.Beck, 2001) den Titel trägt: Das Verdienst der Frauen. Warum Frauen würdiger und vollkommener sind als Männer, erschien erstmals im Jahre 1600. Der Titel ist bereits aussagekräftig genug, um die Autorin als Sexistin zu kennzeichnen.

Das Buch handelt von einem Gespräch unter sieben Frauen in dem sehr schönen Garten der jungen Witwe Leonora. Adriana legt das Thema fest: Die Männer. Darüber findet nun eine zwei Tage währende Kontroverse statt, bei der aber die Männer (als Ehermänner und als solche) insgesamt eine vernichtende Bewertung erfahren.

Leonora, Erbin des allerseits gelobten Gartens, lobt Gott dafür, daß er sie von ihrem Ehemann "befreit" habe, und spricht:

Eher würde ich mich ertränken, als mich nochmals einem Mann zu unterwerfen. (Seite 81)

Sie gibt also zu verstehen, daß der Ehemann überflüssig geworden ist, nachdem er die Frau bereichert hat. Ebenso zynisch äußert sich Corinna:

Denn der Garten ist nicht nur reizvoll, sondern er hat überdies den Vorteil, daß es hier keine Männer gibt. (S.80)

[...] gleicht ein Mann einer erloschenen Lampe, die allein zu nichts nütze ist und nur dann im Haus zu gebrauchen ist, wenn das Licht entzündet wird. (S.85)

[...] so sind wir ihnen lediglich wie einem Unglück, einer Krankheit oder einer anderen Mißlichkeit dieses Lebens unterworfen

[...] und werden zu Tyrannen, indem sie selbstherrlich die Herrschaft über uns an sich reißen, die wir vielmehr über sie haben müßten. Denn sieht man nicht deutlich, daß es ihre Aufgabe ist, für die Arbeit das Haus zu verlassen und sich abzumühen, um das Geld heranzuschaffen, als wären sie Verwalter, nur damit wir in dem Haus bleiben, unser Leben genießen und wie Hausherrinnen befehlen können. Nur deshalb sind sie von Natur aus robuster und stärker als wir, damit sie die Mühen in unseren Diensten ertragen können. (S.86)

Denn sie entstanden aus unbelebter Erde, damit wir aus lebendigem Fleisch geschaffen wurden. (S.86f.)

Die Beurteilung des Mannes durch die Frau entspricht hier ziemlich genau der des Negersklaven durch weiße Sklavenhalter, wie sie unter Rassisten damals geläufig war.

Ich werfe Moderata Fonte vor:

  • Frühneuzeitlicher Sexismus nach dem Muster des kolonialistischen Rassismus.

P.S.: Eine Rezension durch Rolf Löchel unter dem Titel "Lieber ein Schwein als ein Mann" findet sich hier.

Sexistinnen-Pranger