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Ferrero (Eingestellt am 9-8-2012)


Der Süßigkeiten-Hersteller Ferrero kündigt zum Ende der Sommerpause 2012 ein Überraschungs-Ei nur für Mädchen an:

Ab August wird es rosa in der Welt der kinder Überraschung. Denn pünktlich zum Ende der Sommerpause kommt das brandneue Mädchen-Ei von kinder Überraschung auf den Markt. Und wie der Name schon sagt: Dieses mit rosa Blumen verzierte Ei richtet sich speziell an Mädchen [...].

Das Angebot ist also geschlechtsbezogen. An und für sich ist das nicht aufregend, denn geschlechtsbezogene Kinderware hat Tradition. So haben Mädchen immer schon eher mit Puppen, und Jungen eher mit Autos gespielt. Doch die Begründung, welche die Firma Ferrero vorträgt, ist bemerkenswert.

Der Grund für diese Maßnahme? Erkenntnisse der Markforschung inspirierten kinder Überraschung dazu. Die besagen, dass sich Mädchen heutzutage nicht mehr in nur eine Schublade stecken lassen. Pink und Ponyhof ist ihnen genau so wichtig, wie Fußball und Frauenpower. Eigene Erhebungen haben diesen Trend bestätigt.

Ob Blumen-Ringe oder bunte Armbänder mit Tiermotiven - das Basissortiment des Mädchen-Eies hält genauso klassische "Mädchensachen" bereit, wie auch aktivierende Spielzeuge zum Werfen, Spielen und Malen, Puzzeln und Basteln. Genau die Vielfalt also, die sich die Mädchen von heute wünschen. Und genau die Bandbreite, die Mädchen mädchengerecht anspricht und deren Individualität fördert.

Wenn aber Mädchen sich "heutzutage nicht mehr in nur eine Schublade stecken lassen", mit anderen Worten, wenn ihre Wünsche die der Jungen jetzt mit einschließen - wieso brauchen sie ausgerechnet dann ein besonderes Angebot? Man sollte meinen, daß sie es eher im umgekehrten Falle bräuchten, nämlich dann, wenn sie der traditionellen "Rollen"-Erwartung der Mädchen entsprechen würden.

Vermutlich kommen die meisten Leser dieser Reklame nicht auf eine Frage, die sich jetzt sofort aufdrängen müßte: Wenn Mädchen-Wünsche die der Jungen mit einschließen, gilt das nicht umgekehrt auch für die Wünsche der Jungen?

Hierauf gibt es sinnvollerweise nur zwei mögliche Antworten:

  1. Obige "Marktforschung" sowie die "eigenen Erhebungen" kommen zum Schluß, daß Jungen weiterhin nur jungen-typische Wünsche haben, Mädchen hingegen "vollmenschliche" Wünsche. Allerdings wäre dann zu fragen, warum die Firma Ferrero nicht vielmehr ein "Jungen-Ei" statt ein "Mädchen-Ei" herausbringt. Denn ein Überraschungs-Ei, das die Wünsche der "Vollmenschen" - also der Mädchen - befriedigt, benötigt keine namentliche Hervorhebung.

  2. Es hat gar keine Marktforschung bzw. keine "eigenen Erhebungen" gegeben, die zu diesem Schluß kommen. Vielmehr hat sich die Firma Ferrero in den politisch-ideologischen Kampf einbinden lassen, demzufolge dem männlichen Geschlecht keine volle Menschlichkeit zukommt, dem weiblichen aber schon.

Ich bin mir sicher, daß die zweite mögliche Antwort zutrifft und werfe der Firma Ferrero vor:

Dieser gynokratische Sexismus (oder: Staats-Sexismus) ist derselbe, den auch die FDP-Politikerin Cornelia Pieper vertrat, als sie schrieb, daß der Mann ein von der Evolution überholtes Wesen sei, dem weiterhin "nur" männliche Eigenschaften zukommen würden, während die Frau sich zum Vollmenschen weiterentwickelt habe.

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