Sexistinnen-Pranger

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Francoise d'Eaubonne (1920-2005)


Francoise d'Eaubonne

Francoise d'Eaubonne, eine französische Öko-Feministin marxistischer Prägung, bekämpfte die globable "Phallokratie". Die Entmachtung des Mannes sei notwendig, um das Überleben auf unserem Planeten sicherzustellen. In ihrem Buch "Feminismus oder Tod" (1974, dt. 1975, 4. Aufl. 1981) äußerte sie sich wie folgt:

Kurz gesagt [...], der Planet muß dem Mann von heute entrissen werden, um ihn der Menschheit von morgen zu übergeben. Das ist die einzige Alternative, denn wenn die männliche Gesellschaft weiterbesteht, gibt es morgen keine Menschheit mehr. (S.208)

Angeblich soll dabei die Macht nicht den Frauen übertragen, sondern vielmehr durch Frauen beseitigt werden. Am Ende stünde nach marxistischem Vorbild eine klassenlose Gesellschaft, auch in Hinsicht auf die Geschlechter:

Und der Mensch würde endlich zuallererst als Person und nicht vor allem als Mann oder Frau behandelt werden.

Der Idealismus dieser Zielsetzung kann jedoch angesichts des letzten Teils des Buches, der überschrieben ist mit: "Eine Rose für Valerie", nicht überzeugen. Es handelt sich um eine geradezu schwärmischerische Huldigung für Valerie Solanas, über deren Lebenslauf die Autorin bestens informiert ist:

Im Irrenhaus, weil sie drei Schüsse auf einen Cineasten [Andy Warhol] gab, der sie betrogen hatte; entlassen, dann wieder eingesperrt, weil sie neuerlich einen Mann angegriffen hatte; [...]

Nun kommt sie zu folgenden Bewertungen:

So viele Schriftsteller haben den Traum gehegt, sich der Feder de Sades zu bemächtigen und sind ihm bestenfalls nur in schwachen Anklängen nahegekommen! Einer kleinen Amerikanerin aus dem Underground, halb Prostituierte, halb Schauspielerin des "alternativen" Films, die niemals den Marquis gelesen hatte, ist es als einziger gelungen, sein Erbe anzutreten. [...]

Diejenigen [...], die sich über das Solana'sche "Projekt" entrüsten, 48 % der Menschheit zu kastrieren und auszurotten [...], gehen völlig an der tiefen Humanität dieser Inspiration vorbei: nach der Abschaffung des Geldes den Tod besiegen. (S.218 f.)

Man kann sich nur die Augen reiben. Doch Francoise d'Eaubonne macht keine schlechten Witze; sie meint es tatsächlich so, wie sie es sagt. Zur Erläuterung obiger Behauptung heißt es kurz darauf:

"Die einzige radikale Forderung der kommunistischen Gesellschaft ist die Abschaffung des Todes." Das kommunistische Ideal, dieser Schwanengesang der männlichen Gesellschaft, wird also von der Vernichterin, der Gotteslästerin, der unerbittlichen Valerie Solanas aufgenommen und zu seiner wahren Konsequenz getrieben.

Dies alles, wie gesagt, ist völlig ernst gemeint. Es ist auch keineswegs in eine fernere Vergangenheit angesiedelt. Im Gegenteil:

Auf jeden Fall ist der Mann (so wie er sich durch seine eigene Gesellschaft geschaffen hat) demnächst berufen, hinweggefegt zu werden. [...]

Wenn es in einer verzweifelten Situation auch nur die geringste Hoffnung auf Rettung gibt, so kann sie nur von den Frauen kommen. [...]

Das Gold auf dem Grund von Valerie de Sade'schem Schmeltiegel [hier werden zwei Personen poetisch vereinigt] strahlt von den Worten aus, die man überall in leuchtenden Lettern hinschreiben sollte:

"WENN DIE FRAUEN JETZT NICHT ALLESAMT MIT IHREM HINTERN HOCHKOMMEN, DANN KANN ES SEIN, DASS WIR HEUTE ALLESAMT KREPIEREN!" (S. 220 f.)

Nach alledem stellt sich die Frage nach der geistigen Gesundheit von Francoise d'Eaubonne. Zu Anfang des Buches lesen wir:

Urplötzlich an jenem Tag der Entdeckung, von dem ich oben gesprochen habe, wird mir das Unglück klar, eine Frau zu sein, wird mir die Bedrohung und das Mißgeschick klar, was es heißt, in einer Welt der Männer zu leben, in der diese Bedrohung in jeder Generation und in jeder Altersstufe des Individuums weiterbestehen bleibt. Denn der Henker ermüdet nicht [...] (S.11)

Aber mein immer gegenwärtiges Unglück [Frau zu sein] kann sich mir in jeder Sekunde ins Bewußtsein drängen; im Nu kann alles ins Wanken geraten, wie am Ende des Films "Malpertius", als der Held am Arm seiner Freundin die Irrenanstalt verläßt, berauscht ist, wie alle anderen geworden zu sein, und sich dann die Tür zur Freiheit, die er geöffnet hat, wieder schließt und er sich in der trauten Welt seiner Wahnideen wiederfindet. (S.13)

Diese inneren Qualen hinderten sie jedoch nicht, zahlreiche Romane und Essais zu schreiben und Anerkennung zu finden; ja sie trugen vermutlich zu ihrer Produktivität bei. Angsichts ihrer Vision von der Rettung der Menschheit in Anlehnung an Solanas darf man sich fragen, ob die im vorigen Jahrhundert veranstalteten Massenmorde nicht vielleicht verhindert worden wären, wenn ihre Urheber ebenfalls eine künstlerische Laufbahn hätten einschlagen können. Dabei fällt auf, daß Francoise d'Eaubonne sich durchaus mehr vorgenommen hat als Hitler und andere Massenmörder.

In Hinblick auf diese Tatsache sollte die positive Resonanz und (heute wohl zunehmend heimliche) Zustimmung beachtet werden, welche die Autorin auch heute noch bewirkt.

Ich werfe ihr vor:

  • Aufruf zum globalen Androzid;
  • Verherrlichung der Androzid-Ideen von Valerie Solanas.
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